Pfarrkirche Sankt Martinus Oberteuringen

Die Ursprünge

Die Ursprünge der Pfarrei Teuringen liegen im Verborgenen und lassen sich nur erahnen. Anzunehmen ist, dass sich das Christentum zu Beginn des achten Jahrhunderts durch Missionsbestrebungen von den Klöstern Sankt Gallen und Reichenau her in unserem Raum stark ausgebreitet hat.

Bei der ersten urkundlichen Erwähnung von "Duringas" (wie Teuringen in der lateinischen Urkunde geannt wird) im Jahr 752 bestand wohl schon eine Taufkapelle im Ort, auch wenn in der Schenkungsurkunde eines Mannes Namens Mothar vom 10. Mai 752 von einer solchen nicht die Rede ist.

Erst ab dem 13. Jahrhundert dokumentieren schriftliche Zeugnisse Teilschritte der Entwicklung der Kirche Sankt Martin. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts gehörte hierzu ein großes Gebiet (Sprengel), das sich von Fischbach bis über Bavendorf hinauszog, unterbrochen von kleinen eigenständigen Pfarreien.

Im 19. Jahrhundert wurde die Kirche dreimal renoviert. Die Kirchengemeinde war damals gut mit Finanzmittel ausgestattet.

Alte, als unmodern geltende Gegenstände wurden entfernt und durch die Ausstattung dem jeweiligen Zeitgeist entsprechend neu gestaltet. So durchlief sie die Zeit des Biedermeiers und wurde Ende des 19. Jahrhunderts regotisiert.

Die neugotische Ausstattung stammt von Theodor Schnell sowie Malereien von Schiller und Ostermeier.

Die Kirche Sankt Martinus heute:

Die heutige Pfarrei Oberteuringen erhielt nach mehreren Umgliederungen v.a. im 19. Jahrhundert im Jahr 1859 ihre heutige Größe, die mit der bürgerlichen Gemeinde identisch ist.

Vom 12. Jahrhundert bis 1812 war Teuringen auch Dekanat, nicht immer jedoch Dekanatssitz. 1812 wurde es, nach diversen Umstrukturierungen in der Gegend, umbenannt in Dekanat Tettnang. Seit 1. Mai 1974 erfolgte wiederum eine Umbenennung in Dekanat Friedrichshafen.

Der heutige Kirchenbau stammt aus der Zeit 1516/1517, nachdem die vorige Kirche 1454 durch Raubritter Hans von Rechberg niedergebrannt worden war. Der Neubau wurde am 17. Juli 1517 geweiht und erhielt 1846 eine bedeutende Turmerhöhung (61 Meter).

Bei der Innenrenovierung 1993 erhielt die Kirche den heutigen Altar und Ambo..

Mit Blick auf das 500-jährige Kirchweihjubiläum wurde die Kirche 2013 innen sowie 2017 außen renoviert.

Über dem Haupteingang grüßt eine Statue des Heiligen Martinus die Kirchenbesucherinnen und -besucher.

Im Rahmen der Außenrenovierung 2017 wurde die Martinusstatue erneuert. So wurden Goldborten an Bischofshut und Stola sowie ein neuer, ebenfalls vergoldeter Bischofsstab hinzugefügt.

1959 wurde unter Pfarrer Dr. med. Bruno Sauter die Kirche abermals dem Zeitgeist angepasst: der gotische Stil wurde als überfrachtet empfunden, die Messliturgie wurde vereinfacht und dies sollte sich auch im Kirchenraum widerspiegeln. Die Altarweihe fand am 21. Februar 1960 durch Diözesanbischof Dr. Carl Joseph Leiprecht statt.

1976/77 wurden der Kirchturm, die Außenfassade und das Dach ausgebessert. Auch die farbig glasierten Dachziegel des Turms wurden erneuert.

Eine weitere Renovierung erfolgte 1993 und wurde feierlich abgeschlossen in einem Festgottesdienst mit Weihe des neuen Altars im November 1993 durch Weihbischof Dr. Johannes Kreidler.

2013 wurde die Kirche im Innenraum grundlegend renoviert.

Innenausstattung der Kirche

Altarraum mit siebenarmigem Leuchter und Buntglasfenstern. Um den Blick auf den Altar zu konzentrieren, wurde der Leuchter aus dem Altarraum entfernt.

Die Glasfenster wurden von Kunstprofessor Wilhelm Geyer (1900 bis 1968) aus Ulm gestaltet.

Das Deckengemälde des Kirchenschiffs zeigt die Geburt Christi des Ravensburger Künstlers Gebhard Fugel (1863 bis 1939).

Die Deckenfresken im Chor vom Tettnanger Meister Fidelis Bentele (1830 bis 1901) sind von der Renovierung der 60er und 70er Jahre des 19. Jahrhunderts erhalten.

Von Bentele ebenfalls gestaltete zwölf großformatige Aposteldarstellungen, die auf historischen Aufnahmen gelegentlich zu sehen sind, fielen einer Renovierung zum Opfer.

Die Sakramentsnische (Tabernakel) von 1605 zeigt Gottvater mit der Weltkugel, links das Reichswappen, rechts das Wappen der Stadt Ravensburg. Durch alle Renovierungen hindurch blieb sie erhalten.

Die Figur des Heiligen Josef, Bräutigam der Gottesmutter Maria, Nährvater Jesu, im Altarraum. Eines der ihn auszeichnenden Attribute ist, neben den sonst häufig verwendeten Zimmermannswerkzeugen Axt, Säge, Beil oder Winkelmaß, die Lilie, welche auf die Jungfräulichkeit hinweisen soll. 

Seit 1870 wird Joseph als Schutzpatron der ganzen Kirche verehrt.

Der Taufstein mit einem alten Becken in Form eines mit Akanthusblättern verzierten Würfelkapitells, trägt die Inschrift "1631" und "I.R.", wurde also wohl 1631 gefertigt. Die Bedeutung "I.R." ist unbekannt. Die neugotische Figurengruppe auf dem Deckel des Taufsteins zeigt die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer.

Das große Gemälde mit der Mantelteilung des Heiligen Martinus könnte von einem früheren barocken Altar der Kirche stammen.

Nach der Bibelstelle im Johannesevangelium, Kapitel 1, Vers 29 weist Johannes der Täufer auf Jesus "das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt" hin.

Frühbarocke Pietà (Schmerzensmutter) aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Figur des Heiligen Sebastian, Märtyrer zu Rom.

Sein Gedanktag ist der 20. Januar. Im Gegensatz zu der Darstellung in der Sankt-Georgskapelle ist er hier in Ritterrüstung mit Pfeil dargestellt. Nach einer Legende sei er Offizier in der kaiserlichen Garde gewesen und auf Befehl Diokletians mit Pfeilen erschossen worden. Eine Witwe Irene habe sich seiner angenommen und ihn gesundgepflegt, worauf man ihn mit Keulen erschlug.

Der Heilige Franz von Assisi, auch Franziskus genannt, an der linken Wand des Kirchenschiffs.

Der bekannte Heilige, dessen Gedenktag am 4. Oktober gefeiert wird, ist unter anderem Patron der Orden, der Flachs- und Tuchhändler, der Kaufleute, Schneider und Weber sowie der Sozialarbeit und des Umweltschutzes. 

Dargestellt ist er hier in dunkelbraunem Franziskaner-Habit mit einem Kreuz, als Zeichen dafür, dass er die Wundmale Christi empfing.

Eine Darstellung von Maria als Königin, umgeben von einem Strahlenglanz, wird darum auch als "Strahlenmadonna" bezeichnet.

An der rechten Kirchenschiff-Wand der Heilige Antonius von Padua, Kirchenlehrer, dessen Gedenktag am 13. Juni begangen wird.

Er wird verehrt als Patron der Franziskaner, der Bäcker, der Bergleute, der Eheleute und Liebenden, der Reisenden und der Sozialarbeiter. Wahrscheinlich ist er einer der am häufigsten Angerufenen, und zwar zum Wiederfinden verlorener Dinge.

Maria erhielt ihren Beinamen, da sie aus Magdala stammte, einem Ort am Westufer des Sees Genezareth. 

In der Überlieferung des Abendlandes wird sie mit Maria von Bethanien und der Sünderin gleichgesetz, die Jesu Füße mit wohlriechendem Öl, das sie in einem Alabastergefäß mitbrachte, salbte (Lk 7,36-50). So ist sie hier an der rückwärtigen Kirchenwand mit einem Ölgefäß dargestellt.

Gedenktag, sowohl der Maria von Magdala wie der von Bethanien ist der 22. Juli.

2016 erklärte Papst Franziskus den Gedenktag der Maria von Magdala zum Festtag. Damit wird ihre Rolle als "Apostolin der Aposteln" gewürdigt, wie schon Papst Gregor der Große und Thomas von Aquin sie benannt hatten. Sie war als erste am leeren Grab des auferstandenen Jesus. Sie verbreitete als erste diese frohe Botschaft der Auferstehung Jesu.

Um 1800 wurde von Pfarrer Innozenz Fehr eine Herz-Jesu-Bruderschaft gegründet. Hintergrund war wohl, dass Oberteuringen zu jener Zeit die Statistik von unehelichen Kindern in dieser Region anführte. Ziel der Bruderschaft sollte darum sein, sich für die Hebung der Moral und die Verbesserung des religiösen Lebens im Ort einzusetzen.

Bei Prozessionen wird diese Herz-Jesu-Darstellung durch den Ort getragen. Im Mittelpunkt steht sie auch am so genannten "Herz-Jesu-Fest". Dieses Hochfest wird am Freitag nach dem 2. Sonntag nach Pfingsten gefeiert, also am Freitag in der Woche nach Fronleichnam. Der biblische Ursprung der Herz-Jesu-Darstellung ist im Johannesevangelium zu finden, Kapitel 19, Verse 33 und 34: "Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus.

Auch jeder erste Freitag im Monat wird als Herz-Jesu-Freitag begangen.

Die heutige Orgel stammt von der Renovierung in den Fünfziger-Jahren des 20. Jahrhunderts.

2016 feierte die Kirchengemeinde das 20-jährige Jubiläum der letzten Orgelrenovierung. 

Neu hinzugekommen sind bei der umfassenden Kirchenrenovierung 2013 zwei Beichträume. Anstelle der bisherigen Beichtstühle, in denen traditionell die Büßenden demütig knieten, der Blick zum Priester durch ein Gitter verdeckt, entsprechen diese Beichträume dem heutigen Verständnis des Bußsakraments als Feier der Versöhnung, dem ein Beichtgespräch vorausgeht. Der kleine Raum bietet darum die offene Gesprächsmöglichkeit ebenso wie - durch einen Vorhang abgetrennt - die anonyme Beichte.

Die Beichträume sind integriert in den Kirchenraum. Die Glasfenster deuten auf die Erfahrung des Mose am brennenden Dornbusch hin.

Nehmen Sie gerne die Möglichkeit zum Empfang des Bußsakraments wahr, regelmäßig vor der im Turnus mit den beiden anderen Gemeinden der Seelsorgeeinheit gefeierten Vorabendmessen am Samstag, an den speziellen Terminen vor den Hochfesten Ostern und Weihnachten oder auch gerne nach persönlicher Terminvereinbarung mit Pfarrer Müller. Selbstverständlich sind auch Kinder und Jugendliche zum Beichtgespräch eingeladen.

Anschrift:

Sankt-Martin-Platz 2
88094 Oberteuringen

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